Satzung
des 'Katholischen Fürsorge-Vereins für Mädchen, Frauen und Kinder' von 1913



Ortsgruppe _____________________________
(Mit Bischöflicher Approbation.)

§ 1.
Der Zweck des Fürsorgevereins ist:
Schutz und Rettung sittlich gefährdeter und gefallener Mädchen und Frauen, sowie der mißhandelten, gefährdeten und verwahrlosten Jugend.

§ 2.
Die Haupttätigkeit des Vereins ist:
1. Die in § 1 Bezeichneten aufzusuchen. Die Gefährdeten und Gefallenen zu bestimmen, zu einem geordneten, arbeitsamen Leben zurückzukehren.
Die Verwahrlosten ihrer verderblichen Umgebung zu entreißen.
Die entgegenstehenden Hindernisse aus dem Wege zu räumen.
Die Schutzbefohlenen, soweit ratsam, in die eigene Familie, sonst in gute Stellen oder geeignete Anstalten unterzubringen.
In jedem Falle sich dauernd derselben anzunehmen.
Anmerkung: Jede Schutzbefohlene erhält, wenn möglich, aus dem Kreise der Mitglieder eine Vereinsmutter, die ihren Schützling im Auge behält und demselben jederzeit Rat und Hilfe gewährt.
2. Alle aus weltlichen und klösterlichen Anstalten zur Entlassung kommenden derartigen Mädchen, Frauen und Kinder, auch wenn sie nicht vom Fürsorgeverein untergebracht waren, liebevoll aufzunehmen und ihnen wie den oben Genannten zu helfen.
3. Die Gründung von Zufluchtshäusern und Fürsorgeheimen anzuregen, zu fördern oder selbst zu unternehmen.

§ 3.
Diese Vereinstätigkeit umfaßt vornehmlich:
1. Die Sorge für uneheliche Mütter und Kinder.
2. Die Gefangenenfürsorge.
3. Die Jugendgerichtshilfe.
4. Das Zusammenwirken mit der Sittenpolizei in vorbeugender und rettender Arbeit.
5. Die Mitarbeit in der staatlichen Fürsorge- (bezw. Zwangs-)Erziehung.
6. Die freiwillige Übernahme von Vormundschaften, Pflegschaften, Beistandschaften (organisierte Einzelvormundschaft) und Mitarbeit in der Berufsvormundschaft.
7. Die Übernahme des Amtes als Waisenpflegerin und als Aufsichtsdame im Ziehkinderwesen.
8. Die Zusammenarbeit mit Armenverwaltung und Waisenrat zwecks vorbeugender und rettender Arbeit in verwahrlosenden Familien.
9. Die Mitarbeit in den örtlichen Centralen für Jugendfürsorge (Städtische Jugendämter).
10. Die Errichtung von Geschäftsstellen, in denen Hilfesuchende Rat und Auskunft finden und in denen Behörden (z.B. Vormundschaftsgericht, Waisenrat, Armenverwaltung, Polizeibehörde) die gewünschte Mitarbeit geleistet wird.

§ 4.
Der Verein besteht aus:
1. Tätigen Mitgliedern, d.h. solchen kath. Frauen und Jungfrauen, die sich der Vereinstätigkeit persönlich widmen, den Sitzungen nach Möglichkeit beiwohnen und einen jährlichen Beitrag zahlen.
2. Außerordentlichen Mitgliedern, d.h. solchen Damen und Herren, die den Vereinszweck lediglich durch Geldbeiträge unterstützen.
3. Ehrenmitgliedern, d.h. solchen Damen und Herren, welche die Bestrebungen des Vereins in besonderer Weise fördern, sei es durch Rat und Tat, sei es durch Zahlung eines jährlichen Beitrages von mindestens . . . . . Mark.

§ 5.
Die Mitgliedschaft wird erworben durch Aufnahme seitens des Vorstandes. Die Aufnahme als tätiges Mitglied erfordert die Zustimmung von 2/3 der Vorstandsmitglieder.
Die gleiche Mehrheit ist erforderlich, um ein Mitglied auszuschließen, welches das Ansehen oder die Interessen des Vereins schädigt.

§ 6.
Stimmrecht haben allein die tätigen Mitglieder, alle anderen haben nur beratende Stimme.

§ 7.
Die tätigen Mitglieder wählen einen Vorstand von 3 bis 5 Damen. Der Vorstand kann durch Zuwahl seine Mitgliederzahl so weit verstärken, als es das Bedürfnis des Vereins erheischt. Die Wahl erfolgt auf 3 Jahre durch Stimmzettel oder Zuruf. Wiederwahl ist zulässig.

§ 8.
Der Vorstand wählt aus seiner Mitte:
1. Die Vorsitzende, die den Verein nach außen vertritt.
2. Die stellvertretende Vorsitzende.
3. Die Schriftführerin.
4. Die Schatzmeisterin.
Es können mehrere Ämter auf einer Person vereinigt werden.
Das Amt der Schriftführerin, sowie das der Schatzmeisterin kann auch solchen Vereinsmitgliedern, die außerhalb des Vorstandes bleiben, sowie ferner auch Nichtmitgliedern, evtl. unter Gewährung eines Gehaltes übertragen werden.
Um verschiedene Kräfte zur Vereinsleitung heranzuziehen, soll das Amt der ersten Vorsitzenden nur ausnahmsweise länger als 6 Jahre (2 Wahlperioden) nach einander in denselben Händen bleiben. Als Unterbrechung genügt die Dauer von 3 Jahren (eine Wahlperiode).

§ 9.
Der Vorstand erbittet aus der Geistlichkeit einen Beirat, der in schwierigen Angelegenheiten dem Verein zur Seite steht und gehört werden soll.

§ 10.
Der Verkehr mit den Behörden, sowie der Besuch der einzelnen Anstalten (Gefängnisse, Krankenhäuser usw.) wird nur von der Vorsitzenden und den von ihr zu bestimmenden Damen ausgeübt.

§ 11.
Sitzungen der tätigen Mitglieder finden wenigstens jeden Monat statt.

§ 12.
Jährlich findet wenigstens eine Generalversammlung statt, und zwar im Laufe der ersten 3 Monate nach Schluß des Geschäftsjahres, welches mit dem 1. Januar beginnt. In dieser Versammlung wird über die Vereinstätigkeit und über die Kassenführung berichtet und der Schatzmeisterin Entlastung erteilt.

§ 13.
Die Beschlußfassung erfolgt in allen Versammlungen und Sitzungen soweit nicht in dieser Satzung besondere Bestimmungen getroffen sind, mit einfacher Stimmenmehrheit der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder. Bei Stimmengleichheit gibt die Stimme der Vorsitzenden den Ausschlag.

§ 14.
Der Verein ist eine Ortsgruppe des Gesamt-Vereins "Katholischer Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder" und erkennt die Centrale und die Geschäftsordnung desselben an.

§ 15.
Im Falle der Auflösung des Vereins hat die Mitgliederversammlung über die Verwendung des Vereinsvermögens in einer den Zwecken des Vereins tunlichst entsprechenden Weise zu beschließen.

§ 16.
Der Verein hat die Verpflichtung, bei etwaiger Eintragung in das Vereinsregister die vom Gesamtverein herausgegebene Satzung für eingetragene Vereine (Ausgabe II a) anzunehmen. Wird diese vom Amtsgericht beanstandet, so ist die abgeänderte Satzung der Centrale vor der Eintragung zur Erklärung ihres Einverständnisses vorzulegen.
Die Centrale prüft, ob der obligatorische Teil der Satzung aufrecht erhalten ist, und ob keine, dem Geist des Vereins widersprechenden Bestimmungen Aufnahme gefunden haben.

Angenommen auf der General-Versammlung zu Düsseldorf, den 18. Oktober 1907.

Revidiert auf der General-Versammlung zu Wiesbaden, den 17. Oktober 1913.

(Mit Bischöflicher Approbation).
Nachdruck untersagt!



aus: Archiv des Deutschen Caritasverbandes 319.4 I 04/09 Fasz. 1.
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Quelle:
Hrsg. Sozialdienst katholischer Frauen; Autor: Wollasch, Andreas: Von der Fürsorge "für die Verstoßenen des weiblichen Geschlechts" zur anwaltlichen Hilfe - 100 Jahre Sozialdienst katholischer Frauen (1899-1999); Dokument Nr. 5, S. 73 ff; erschienen 1999; ISBN 3-925680-30-6.









Lizenz: CC BY-NC-ND 3.0





































































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Stand: 16.10.2018




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